Gongylophis colubrinus loveridgei

Gongylophis colubrinus loveridgei – Kenianische Sandboa (ehemals Eryx)

Ein eingerichtetes, aber ansonsten leeres Terrarium. Felsen. Sand. Hitze. Spuren im Sand. Sandverwerfungen im Terrarium. Der Boden gerät in Bewegung. Sand rieselt herunter. Ein kleines Loch bildet sich. Schuppen tauchen auf.

Etwas Pelziges löst sich aus dem Schatten der Pflanze und läuft in eine Ecke. Es putzt sich. Es läuft Richtung anderer Ecke. Plötzlich explodiert der Boden unter dem Pelzträger. Ein glänzender, muskulöser Körper schießt hervor, packt das ahnungslose Opfer und umschlingt es.

Nicht von „Dune“ oder „Tremors“ ist die Rede, wir befinden uns auch nicht im Land der Raketenwürmer, nein, es handelt sich um eine normale Sandboafütterung.

Haltung:

Sandboas halten sich einen Gutteil ihres Lebens subterrestrisch auf und jagen auch aus dem Substrat heraus, was nur bei grabfähigem Grund möglich ist. Somit ist die Verwendung eines lockeren, grabfähigem Substrat ein Muss.

Ich habe bereits verschiedene Substrate getestet: Kokoshumus, Buchenhack und Sand.

Bei Kokoshumus kam es bei meinen männlichen Sandboas immer wieder zu Häutungsschwierigkeiten, vor allem im Bereich des Kopfes und der Brille. Die Weibchen hatten interessanterweise nie ein Problem. Die Hautreste lösten sich immer von selbst, nachdem ich die Tiere mit einem in warmem Wasser befeuchteten Handtuch in eine Plastikbox gegeben habe. Das feuchte Klima in der Box löst die Haut und durch das raue Handtuch kann die Schlange den Hautrest abstreifen. Bei Kokoshumus sollte man wie bei Sand ein Eck permanent feucht halten bzw. eine Wetbox anbieten.

Die Vor- und Nachteile der Substrate werden in folgendem Text näher erläutert:

http://www.scales.at/terraristikhaltung-allgemein/bodensubstrate…uhlenden-arten/

Kenianische Sandboas sind relativ wärmebedürftig. Ein Temperaturgefälle von 27°-33° inklusive einem „Hotspot“ von 35°-40° Grad ist für adulte Tiere notwendig. Gerade beim Verdauen wird dieser Hotspot immer wieder gerne aufgesucht. Lauern die Sandboas auf Beute, liegen meine Tiere in der Regel im kühleren Bereich. Das Temperatursetting für Jungtiere weicht davon etwas ab, dazu aber mehr unter dem Punkt „Aufzucht“.

Besondere Anforderungen an die Luftfeuchtigkeit stellt Gongylophis colubrinus loveridgei nicht, es reicht wenn man ein Eck des Substrates feucht hält oder  je nach Substrat und Bauart eine Schale mit feuchtem Sand anbietet, sodass sich die Sandboas zur Häutung im feuchten Substrat vergraben können. Eine Wasserschüssel mit frischem Wasser sollte immer bereit stehen, ich sehe meine Gongylophis regelmäßig trinken, vor allem nach der Fütterung und während des Verdauungsvorganges.

Zuletzt habe ich mit einem Etagenterrarium wo der Boden von der Lampe der Etage darunter mitbeheizt wird gute Erfahrung gemacht. Bei einer genügend großen Fläche (100×50) lassen sich so durch ein horizontales Temperaturgefälle die jeweiligen Vorzugstemperaturzonen schaffen.

Spots gehören, soweit sie erreichbar sind, auch bei kenianischen bzw. allen Sandboas gesichert.

Häutungshilfen und Einrichtungsgegenstände wie Steinplatten, Äste, etc. werden gerne angenommen. Gerade jüngere Tiere klettern gerne, sodass man ruhig etwas Einrichtung anbieten kann, wobei keine hohen Äste oder Ablagen gemeint sind, sondern flache Äste die ins Terrarium gelegt und eher über- als beklettert werden. Schwere Einrichtungsgegenstände sollten gegen unterwühlen gesichert und am besten direkt auf den Terrarienboden gestellt werden, da die Tiere im gesamten Substrat wühlen und alles untergraben.

Fütterung:

Ich füttere meine semiadulten und adulten Tiere mit Mäusen und Babyratten, die ca. dem Durchmesser der Schlange entsprechen, in einem 2-3 wöchigen Rhythmus. Anfänglich fraßen zwei Sandboas nur lebendes Futter, allerdings ließen sie sich problemlos auf Frostfutter umstellen. Wenn die Schlangen die Beute umschlingen (was bei toten Futtertieren nicht immer der Fall ist) beobachte ich sie genau und überprüfe die Schlange dabei auf Häutungsreste. Ich füttere alle Sandboas in den Terrarien, da ein Umsetzen ein Ausgraben aus dem Substrat nötig machen würde, was zum einen der Natur der Jagd der Sandboa widerspricht und zum anderen Stress für die Schlange bedeutet. Vermutlich würde sie dann ohnehin verweigern.

Sollte eine kenianische Sandboa nicht fressen kann es dafür mehrere Gründe geben. Zum einen übersieht man aufgrund der grabenden Lebensweise sehr leicht eine Häutung. Manche Männchen fressen im Winter schlechter, das ist jedoch kein Grund zur Sorge. Verweigert eine Sandboa über längeren Zeitraum das Futter, passt vermutlich etwas an der Unterbringung nicht. Hier gilt e s die Temperaturen zu checken. Fehlendes Sicherheitsgefühl durch zu niedrige Substrattiefe oder ein von allen Seiten einsehbares Glasterrarium können ebenfalls Gründe dafür sein. Manche Sandboas fressen, wenn man das Futter vor ihnen bewegt oder es direkt vor der Schnauze auf das Substrat legt, nicht aber, wenn das Futtertier irgendwo im Terrarium liegt. Bei sehr hoher Füllhöhe oder scheuen Exemplaren kann das zu einem Problem werden. Hier hilft entweder Lebendfütterung oder eine bessere Strukturierung des Terrariums.

Zucht:

Die Nachzucht von Gongylophis colubrinus loveridgei ist nicht allzu schwierig. Meine kenianischen Sandboas sind alle einzeln untergebracht. Über den Winter ergibt sich über eine geringere Temperatur im Terrarienraum auch eine geringfügig niedrigere Temperatur in den Terrarien, zusätzlich wird die Beleuchtung schrittweise um 2 Stunden auf 12 Stundenverkürzt. Möchte man auf Nummer sicher gehen, kann man die Temperatur in den Terrarien der Männchen um 1-2 Grad senken. Einen eigentlichen Winter gibt es im Habitat nicht, die Temperaturen sind im Jahresverlauf relativ stabil.

Im März werden die Temperaturen und die Beleuchtungsdauer wieder angehoben. Zu verpaarenden Weibchen sollten ordentlich im Futter stehen und zumindest 300g Körpergewicht aufweisen. Anfang Mai setze ich die Männchen zu den Weibchen und lasse sie dort bis Anfang Juni. Leider finden die Paarungen zumeist im Stubstrat statt, bzw. ragen nur die Schwanzspitzen ab der Kloake hervor, sodass man selten Paarungen sieht. Deshalb lasse ich die Männchen einen Monat beim Weibchen um ihnen genügend Zeit für Paarungen zu geben.

Da man wie gesagt selten die Paarung sieht, ist es ebenso schwer eine Trächtigkeitsdauer oder einen Wurfzeitpunkt vorauszusagen. Die Faustregel, die sich bei mir ergeben hat ist 3-4 Monate ab dem Zusammensetzen. Nach drei Monaten leuchte ich nachts immer wieder mit einer Taschenlampe in die Terrarien um etwaige Nachzuchten zu entdecken. Natürlich könnte man auch einmal pro Woche das Terrarium durchwühlen, aber ich versuche die trächtigen Gongylophis so wenig wie möglich zu stören.

Erblickt man Neonaten muss das Terrarium komplett ausgeräumt und das Substrat sorgfältigst(!)  durchsucht werden, damit einem auch keine kleine Sandboa durch die Lappen geht.

Aufzucht:

Die Aufzucht der kleinen Sandboas ist relativ problemlos wenn man ein paar Kleinigkeiten beachtet. Ich verwende für die Aufzucht kleine Boxen, in denen sich lediglich eine Wasserschale, grabfähiges Substrat (meist Buchenhack) und eventuell ein kleiner Stein als Häutungshilfe befindet.  Das Tagestemperaturgefälle  ist am Tag 28-30°, in der Nacht sinken die Temperaturen um 3°. Die Luftfeuchtigkeit ist in den Boxen durch die Verdunstung des Wassers etwas höher, was bei der Häutung hilft, somit ist kein Anfeuchten des Substrates nötig.

Die Jungschlangen häuten sich nach den ersten Tagen und ein paar Tage danach kann man nestjunge Mäuse als erstes Futter anbieten. Die kleinen Gongylophis sollten in ihren Aufzuchtboxen gefüttert werden um den Stress durch umsetzen zu vermeiden. Ich verwende Frostfutter und lege die aufgetauten Pinkies vor die aus dem Substrat schauenden Schnauzen der kleinen Sandboas oder stupse sie leicht damit an. 80% der Neonaten fraßen so auf Anhieb bei der ersten Fütterung Frostfutter. Bei „unentschlosseneren“ Tieren hilft ein lebender Pinkies oder das Berühren der Schnauze mit einer toten Babymaus. Zittert man dann ganz leicht mit der Pinzette, packt die Schlange in der Regel zu. Nach 1-2 Fütterungen reicht es meist den aufgetauten Pinky in die Nähe des Kopfes der Schlangen zu legen, entweder schlagen diese sofort oder holen sich das Futter dann selbstständig.

Fazit:

Sandboas im Allgemeinen bzw. die kenianische Sandboas Gongylophis colubrinus loveridgei im Speziellen sind interessante und dankbare Pfleglinge mit einer sehr spezifischen und faszinierenden Lebensweise. Durch ihre geringe Größe und Ansprüche an die Haltung sind sie meiner Meinung nach auch für Anfänger in der Terraristik geeignet. Darüber hinaus gibt es bereits zahlreiche Morphe, falls man sich dafür interessiert.

Literatur: