Heterodon nasicus nasicus – Westliche Hakennasennatter
Hakennasennattern sind kleinbleibende, tagsüber sehr aktive Nattern mit ungleicher Bezahnung und einer Schaufelnase, woraus sich der lateinische wie auch der Trivialname ableitet.
Haltung:
Für Heterodon nasicus werden meiner Meinung nach oft zu kleine Terrarienmaße angegeben, die ich aus meiner Erfahrung nicht nachvollziehen kann. Ein Becken von mindestens 80x40x40 sollte einem einzelnen Männchen schon geboten werden, bei Weibchen bzw. einem Paar sollten es mindestens 100x50x50 sein. Die Tiere sind sehr aktiv und nutzen den angebotenen Platz komplett aus.
Als ich mein Männchen vor der Eiablage des Weibchens einzeln in ein kleineres Terrarium setzte, war dieser wesentlich passiver, als im gemeinsamen großen Terrarium von 120x50x60 cm.
Für Hakennasennattern eignet sich grabfähiges Substrat, da die Tiere sich gern im Bodengrund verstecken bzw. Einrichtungsgegenstände unterhöhlen. In meinen Terrarien kommt bevorzugt Kokoshumus aus Pressziegeln zum Einsatz. Das Substrat sollte einige Zentimeter hoch eingebracht werden, sodass die Tiere die Möglichkeit haben sich darin vollständig einzugraben.
Eine Mischung mit Sand hat sich meiner Meinung nach als nicht vorteilhaft herausgestellt, da der Sand durch die Grabtätigkeit der Tiere mit der Zeit durch den Kokoshumus gerieselt ist und so eine Sandschicht unter der Humusschicht entsteht.
Wichtig ist in jedem Fall, dass das Substrat beim Verschlucken keine Probleme bereitet, da Hakennasennattern sehr ungeschickte Fresser sind. Sie packen das angebotene Futtertier an irgendeiner Stelle und kauen so lange darauf herum, bis es ins Maul und damit in den Schlund passt. Dabei wird das Futter komplett eingespeichelt, was zum Verschlucken von am Futtertier klebenden Substrat führt.
Näheres zum Thema Bodensubstrate bei wühlenden Schlangen:
http://www.scales.at/terraristikhaltung-allgemein/bodensubstrate…uhlenden-arten/
Die Beheizung erfolgt über Spotstrahler, sodass ein Temperaturgefälle von 27° bis 30° entsteht, wobei direkt unter der Wärmelampe auch höhere Temperaturen erreicht werden können. In der Nacht sinkt die Temperatur auf Raumtemperatur, minimal jedoch auf 20° ab. 1-2 Mal die Woche wird das Terrarium übersprüht, was die Luftfeuchtigkeit, die sonst um die 50% liegt kurz in die Höhe treibt. Zusätzlich kann man in einem Eck das Substrat leicht feucht halten, die Hakennasennattern suchen diese Stelle dann z.B. bei Häutungen auf.
Die Tiere klettern ab und zu ganz gerne, weshalb man Äste anbieten kann. Allerdings sollten diese nicht allzu hoch sein, bzw. noch zusätzlich durch Verästelung und künstliche Pflanzen besser bekletterbar gemacht werden, da Hakennasennattern absolut schlechte Kletterer und somit Abstürze vorprogrammiert sind. Kletterhöhen über 25cm sind zu vermeiden und auch da sollte sich nur weiches Substrat und keine harten Gegenstände unter dem Ast befinden.
Als Verstecke eignen sich umgedrehte Tonschalen, die teilweise mit Substrat gefüllt sind, sowie z.B. gesicherte Steinplatten oder Rindenstücke, die flach auf das Substrat gelegt werden und somit unterwühlt werden können. Heterodons bilden sich selbst Mulden, in denen sie die Ruhephasen verbringen. Auch sollte die Substrathöhe so gewählt werden, dass die Tiere sich vollkommen darin eingraben können.
Fütterung:
Weniger ist manchmal mehr. Hakennasennattern sind als Amphibienfresser nicht die geschicktesten Jäger und auch nicht in der Lage, allzu große Beutetiere zu verschlucken. Ich füttere die Tiere (subadult und adult) mit Beutetieren, die ca. dem Durchmesser der Schlangen an der dicksten Stelle entsprechen.
Da Hakennasennattern ihre Beute nicht erdrosseln, sondern im Wesentlichen auf ihr herum kauen, bis sie ins Maul passt (Kopf oder Hinterteil im Maul der Schlange) und dann verschlucken, sollte man in jedem Fall Prekilled-/Frostfutter bevorzugen.
Bei dem Kauen auf der Beute wird diese zumeist eingespeichelt, was zum Verschlucken von Substrat führen kann, weshalb der Wahl des richtigen Substrates eine besondere Bedeutung zukommt.
Hakennasennattern sind sehr gierige Fresser und sollten daher einzeln gefüttert werden. Wenn man gemeinsam füttert, sollten die Tiere mit Futter an jeweils gegenüberliegende Terrarienseiten gelockt und die Fütterung ist bis zum vollständigen Verschlingen des Futters beaufsichtigt werden, da es sonst zu Verheißungen oder im schlimmsten Fall zum Verlust eines Tieres führen kann.
Ich füttere ein Tier im Terrarium, eines in einer Box. Vor dem Zurücksetzten werden beide Tiere und das Terrarium kurz mit handwarmen Wasser übersprüht um den Geruch des Futters abzuwaschen.
Überwinterung:
Hakennasen kann man auch bei Raumtemperatur “warm” überwintern, will man jedoch züchten empfiehlt sich in jedem Fall eine kalte Überwinterung:
Ende Oktober bekommen die Hakennasennattern das letzte Mal Futter, die Temperaturen werden aber bis Ende November noch konstant gehalten, um ein vollständiges Verdauen und Abkoten zu gewährleisten. Es ist wichtig, dass der Darm vollständig entleert ist, bevor die Tiere überwintern, da die im Darm verbliebenen Exkremente ansonten weiter verwesen und es somit zum Tod der Schlangen führen kann.
Im Laufe des Dezembers werden die Temperaturen im Terrarium schrittweise auf Raumtemperatur gesenkt. Danach werden die Hakennasennattern einzeln in Plastikdosen überführt und kommen in einen Weinkühlschrank, wo eine weitere Reduktion der Temperatur von 16° bis auf 12° durchgeführt wird. Bei 12° verbleiben die Tiere 2-3 Wochen im Kühlschrank, danach werden die Temperaturen wieder Schrittweise erhöht.
Zur Überwinterung verwende ich Plastikdosen, die mit Luftlöchern versehen werden. Als Substrat fülle 5cm Kokoshumus ein, damit sich die Tiere vollständig vergraben können. Eine Wasserschale und ein Versteck komplettieren die Einrichtung.
Die erste Fütterung nehme ich ca. 2 Wochen nach erreichen der Soll-Temperaturen im Terrarium vor. Zu dieser Zeit sind die Tiere noch einzeln untergebracht.
Zucht und Inkubation:
Nach dem die Hakennasen 2-3x gefressen haben setze ich sie wieder zusammen. Meist erfolgt dann in den nächsten Tagen Paarungen. Männchen und Weibchen belasse ich zusammen, bis sich das Weibchen häutet. Diese Häutung kündigt die nahende Eiablage an. Nun sollte man das Männchen entfernen, da es vorkommt, dass Hakennasen die eigenen Eier fressen.
In den 3-5 Wochen werden die Eier gelegt, eine Ablagebox mit feuchtem Kokoshumus oder Spagnummoos wird gern angenommen. Ist keine geeignete Ablageverstelle vorhanden, werden die Eier mehr oder weniger wahllos im Terrarium verteilt abgelegt und es kann im schlimmsten Fall zur Legenot kommen.
Das Weibchen wird ab der Entwinterung bis knapp vor der Eiablage ordentlich gefüttert. Dabei ist es empfehlenswert mehrere kleine, nahrhafte Futtertiere zu geben wie z.B. Babyratten mit noch geschlossenen Augen. Weißt das Weibchen ein schlechten Ernährungsstand auf, kann das Auswirkung auf die Qualität des Geleges und das Schlupfgewicht der Jungtiere haben. Im Extremfall fressen unterernährte Weibchen Teile des Geleges.
Die Eier werden nun in einen Inkubator überführt und auf feuchtes Vermiculite gelegt. Ich habe gute Erfahrungen mit einem Selbstbau-Inkubator aus einer Styroporbox mit Wasserbecken, Heizstab und Thermostat gemacht. Inkubationstemperatur waren ca. 27,5°. +/-0,5° Kurzfristige stärkere Schwankungen (wie bei mir durch einen kaputt gegangenen Aquarienheizstab oder ein paar sehr heiße Tage während der Inkubation im Sommer) beinträchtigten das Gelege nicht.
Die Inkubation hat bei den Gelegen 45-50 Tage gedauert. Über einen Zeitraum von 3 Tagen schlitzten die Hakennasennattern die Eischalen und schlüpften einen halben Tag bis Tag nach dem Ritzen.
Aufzucht der juvenilen Heterodons:
Zur Aufzucht habe ich kleine Plastikdosen der Firma “Braplast” verwendet und diese mit zusätzlichen Luftlöchern an der kurzen Seite versehen. Als Bodengrund verwende ich Küchenrolle und als Versteck bzw. Wasserschüssel jeweils einen kleinen Blumenuntersetzer aus Plastik. Die Jungschlangen werden bei ca. 28° aufgezogen, eine Nachtabsenkung bis auf 23° ist möglich.
Eine Woche nach der ersten Häutung, welche größtenteils noch im Inkubator stattfand, bot ich den Jungschlangen tote, neugeborene Babymäuse an. Es empfiehlt sich im Vorfeld bereits einigen auf Vorrat zu haben, da die Neonaten zum Teil nur sehr kleine Mäuse bewältigten können bzw. bei kleineren leichter ans Futter gehen. Ein Anstechen des Kopfes und herausdrücken von etwas Hirnmasse half meist bei Verweigerern.
Je nach Rest-Dottervorrat der Schlange gingen so fast alle Hakennasen innerhalb von 3-4 Wochen (alle 7 Tage ein Fütterungsversuch) ans Futter. Einzelne, hartnäckige Nachzuchten fraßen erst nach Verwitterung mit Thunfischsaft (Thunfisch in Wasser aus der Dose), Sardine oder rohem Hühnerfleisch. Nach zwei bis drei verwitterten Beutetieren wurden diese auch unverwittert gehommen.
Fazit:
Heterodon nasicus – die westliche Hakennasennatter – ist ein faszinierender und interessanter Pflegling, der aufgrund seiner robusten Art auch für Anfänger geeignet ist. Auch Vermehrung und Aufzucht gelingen problemlos.
Leider musste ich mich aus persönlichen Gründen von meinem Pärchen im Jänner 2011 trennen.
Literatur:


